Die politische Krise im Kongo (Stand März 2018)


Bereits im Herbst 2016 kam es in der demokratischen Republik Kongo zu politischen Unruhen, da der Präsident Kabila nicht bereit war, gemäß der Verfassung nach Beendigung der laufenden Legislaturperiode, vom Präsidentenamt zurück zu treten und Neuwahlen zu zu lassen.

Anfänglich waren wir zuversichtlich und hofften auf eine baldige Beruhigung der Situation. Die Realität entwickelte sich allerdings anders. Die Unruhen im Lande wurden heftiger und besonders in der Provinz Kasaii, in der auch Kamuesha liegt, kam es zu schweren Auseinandersetzungen.

Diese erreichten auch Kamuesha und so stehen wir heute vor der Tatsache, daß das Leben in der Kirchengemeinde St. Therese und somit der Gemeinde Kamuesha samt Umgebung zum Stillstand gekommen ist.

Die Gebäude (Kirche, Schulen, Schwesternkonvent) sind geplündert, die Krankenstation zerstört und das Foyer Social ausgeräumt. Die Menschen haben sich in den umliegenden Wäldern versteckt und sind ihrer normalen Lebenswelt beraubt.

 

Es bleibt uns nun die Aufgabe im Kontakt mit den Menschen in Kamuesha ihnen zu zeigen, das sie nicht allein gelassen werden. Wir müssen nun Wege finden, ihnen Unterstützung zukommen zu lassen. Dies wird nicht einfach, aber Pf. Sebastian ist Teil eines Netzwerkes von Personen aus dem Kongo hier in Europa, welches sich dieser Herausforderung besonders stellt.


Kongo: Bischöfe besorgt über politischen Engpass

Und es bewegt sich doch nicht: Kongos Präsident Joseph Kabila sitzt immer noch fest im Präsidentensattel, obwohl er längstens Neuwahlen ansetzen sollte und nicht mehr kandidieren dürfte. Die Bischöfe führen deshalb eine Sonderversammlung der Bischofskonferenz durch.

Radio Vatican (Februar 2018)

Mario Galgano und P. Jean-Pierre Bodjoko – Vatikanstadt

Katholiken im Kongo befinden sich auf Konfrontationskurs gegen Präsident Kabila. Mehrmals haben die Bischöfe den mittlerweile unrechtmäßigen Präsidenten aufgefordert, Neuwahlen durchzuführen und jedes Mal schien es, dass es doch noch zu einer Lösung kommen könnte. Sehr aktiv sind vor allem die katholischen Laienverbände im Kongo. Nun hat der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Marcel Utembi Tapa von Kisangani, eine Sonderversammlung der Bischöfe einberufen. Diese Außerordentliche Versammlung findet vom 15. bis 17. Februar statt, kündigte Erzbischof Utembi gegenüber Vatican News an.

„Da geht es um Fragen, die die Gesellschaft und die aktuelle Situation betreffen. Wir können nicht umhin, über diese blockierende Situation nicht zu sprechen. Die Koordinierungsgruppen der katholischen Laienverbände sind ein Zusammenschluss von Gläubigen, die unseren Aufrufen folgen. Unser Anliegen als Bischöfe ist es, schnellstmöglich eine Lösung aus dieser politischen Krise zu finden. Wenn also katholische Laien auf die Straße gehen, dann ist das ihre Antwort auf das, was wir als Bischöfe von allen verlangen.“

Es gehe aber nicht darum, Politik als solche zu betreiben, präzisiert der Vorsitzende der Bischofskonferenz. Es sei ein Anliegen der Kirche, dass die demokratischen Regeln eingehalten werden. Zu politischen Inhalten seien nur die Parteien zuständig.

„Wenn kongolesische Katholiken politisch handeln, ohne sich auf unsere Aufrufe und Anliegen zu beziehen, dann ist das falsch. Wir als Bischöfe äußern uns zur misslichen Lage, weil es alle betrifft. Wie das Ganze jetzt ausgehen wird, ist aber alles andere als klar. Wir werden während unserer Versammlung bestimmt einige Richtlinien für die Gläubigen erarbeiten und bekannt geben. Ich meinerseits glaube aber, dass es Anzeichen gibt, dass es doch noch zu einer positiven Entwicklung kommen kann.“

Positiv sei auch, dass die Aufrufe der Bischöfe auch von den Parteien nicht nur wahrgenommen werden sondern dass es auch Reaktionen dazu gäbe, fügt Erzbischof Utembi an. Am 31. Dezember waren bei der Niederschlagung regierungskritischer Proteste, zu denen ebenfalls ein Bündnis katholischer Gemeinden aufgerufen hatte, mehrere Menschen getötet worden. Die Kirche verlangt von Kabila, öffentlich zu sagen, dass er die Macht abgeben wird. Kabilas zweites und laut Verfassung letztmögliches Mandat endete im Dezember 2016, der Präsident hält sich jedoch mit scheinbar immer neuen Finten an der Macht.


Dazu eine Stellungnahme von "Ärzte ohne Grenzen" vom September 2017

Kasai Region: „Selbst die Vögel haben aufgehört zu singen”

16. August 2017

Seit einem Jahr herrscht in der Region Kasai, an der Grenze zu Angola, eine schreckliche humanitäre Krise. Unsere internationale Präsidentin Joanne Liu ist gerade aus der dortigen Stadt Kananga zurückgekehrt. Hier schildert sie ihre Eindrücke zur anhaltenden Gewalt.

Während meines Besuchs bin ich mit unserem Team in den ländlichen Teil der Region Kasai gefahren, der besonders von der Gewalt betroffen ist. Dörfer und Felder sind verbrannt und man hat mehrere Massengräber entdeckt. Ein Mann kam auf uns zu und sagte sehr gefasst: „Die Gewalt war so schlimm hier, dass wir tagelang nicht mal die Vögel singen hörten.“

Überall herrschte Angst

Bei meiner Ankunft hatte ich trotz allem den Eindruck, als sei nichts passiert. Kananga ist eine recht typische kongolesische Stadt mit rund 750.000 Einwohnern. Die Märkte waren voller Menschen und laute Musik drang aus den kleinen Läden. Das ist definitiv nicht die Situation, die meine Kolleginnen und Kollegen letzten März vorfanden. In der Stadt herrschte Stille. Nicht eine einzige Schule oder ein einziger Laden waren geöffnet. Überall herrschte Angst. Mir wurde klar, dass der vermeintliche Alltag, den ich wahrnahm, der Erfahrung gleicht, das Grab eines geliebten Menschen ein Jahr nach der Beerdigung zu besuchen: Gras ist über das Grab gewachsen, der Alltag hat wieder eingesetzt.

Von meinem Aufenthalt sind mir andere Eindrücke im Gedächtnis geblieben. Ich erinnere mich an ein jugendliches Mädchen, das lachend hinter anderen Kindern im Krankenhaus herlief. Es war, als wäre ihr nichts passiert. Doch mehrere Wochen zuvor wurde ihre Schwester vor ihren Augen geköpft. Bewaffnete Männer nahmen das Mädchen mit und hielten es zehn Tage lang gefesselt fest. Sie vergewaltigten sie so viele Male, dass es unmöglich ist, zu sagen, wie oft genau. „Wenn du redest, schneiden wir dir den Kopf ab, so wie bei deiner Schwester“, sagten sie ihr. Die Menschen in Kasai haben so viel durchlebt, das können wir uns gar nicht vorstellen.

Die humanitäre Hilfe ist extrem eingeschränkt

Die Krise in Kasai begann vor einem Jahr, doch es verging viel Zeit, bevor wir ihre Ausmaße erkannten. In den schlimmsten Monaten kam gar keine humanitäre Hilfe an – auch jetzt noch ist sie extrem eingeschränkt. Warum baten die Gemeinschaften nicht früher um Hilfe? Ein Dorfältester antwortete: „Wenn du auf dem Boden liegst und auf dich geschossen wird, kannst du nicht aufstehen und wegrennen.“ Ärzte ohne Grenzen fing erst im März mit der Arbeit in Kananga an – sehr spät, sicherlich zu spät. Heute ist uns bewusst, dass wir weiterhin nur an der Oberfläche kratzen.

Die Wunden unserer Patienten erzählen von der extremen Gewalt, der die Menschen in Kasai ausgesetzt sind. Vor lauter Angst haben manche schwerverletzten Menschen Tage oder Wochen gewartet, bevor sie einen Arzt aufsuchten. Einem unserer Patienten zum Beispiel wurde eine Hand abgetrennt. Er versteckte sich mehrere Wochen lang im Buschland, voller Angst gefunden und getötet zu werden. Seine Wunde behandelte er mit traditioneller Medizin. Als er in unserem Krankenhaus ankam, hatte sich ein Abszess gebildet und eine schwere Infektion hatte sich auf die Knochen seines Unterarms ausgeweitet. Seine Chancen, eine weitere Amputation zu umgehen, sind gering.

Eine menschliche Tragödie

Wenn unsere psychologischen Teams fragen, was passiert ist, erzählen unsere Patientinnen und Patienten nie, wer ihnen das angetan hat. Die Angst ist immer da. Aber sie erzählen uns ihre furchtbaren Geschichten: Ehemänner werden vor den Augen ihrer Frauen geköpft, Ehefrauen werden vergewaltigt. Das geschieht vor den Augen des Mannes und der Kinder, die gefesselt werden und gezwungen werden zuzusehen. Im Nachhinein kommen immer dieselben Fragen auf: Wie kann ich Geld verdienen, meine Familie ernähren, wieder ein Zuhause aufbauen? Wie sieht meine Zukunft aus?

Die Krise in Kasai ist wie ein Waldbrand in den trockensten Sommermonaten: Ein einziger Funke im August 2016 hat die ganze Region in Flammen gesetzt. Millionen Menschen sind betroffen von Gewalt durch Angriffe der Milizen, Unterdrückung durch das Militär. Hinzu kommen lokale Konflikte, die im herrschenden Chaos zusätzlich ausgebrochen sind. Auch wenn Kananga heute zur Normalität zurückkehrt, hört man sehr Beunruhigendes aus anderen Teilen der Region, die so groß ist wie ganz Italien. Aus Sicherheitsgründen ist fast kein Zugang zu diesen Regionen möglich, und so bleibt die Ungewissheit, was Gerücht und was Realität ist. Sicher ist: Selbst wenn es von außen betrachtet so wirkt, als sei nie etwas passiert, hat sich hier eine menschliche Tragödie abgespielt – und sie tut es weiterhin.“

Ärzte ohne Grenzen betreibt im Allgemeinen Krankenhaus von Kananga die Notaufnahme mit 70 Betten. Unser Team hat den Operationssaal wieder in Betrieb genommen und behandelt kostenlos Unfall- und Gewaltopfer. Seit April 2017 wurden 238 Patienten eingeliefert und das Team hat 550 Operationen durchgeführt. Ein mobiles Team arbeitet im Umland von Kananga und hat bisher mehr als 9.000 Sprechstunden abgehalten. Weitere mobile Teams sind im Süden der Region Kasai unterwegs.

Seit Juni unterstützt Ärzte ohne Grenzen außerdem drei Gesundheitszentren und ein Krankenhaus in verschiedenen Teilen der Stadt Tshikapa (Kasai Provinz), mit einem Schwerpunkt auf der Hilfe für Kinder unter fünf Jahren, schwangere und stillende Frauen sowie für Verletzte und Notfälle. Im Juli haben unsere Teams die Aktivitäten auf verschiedene ländliche Regionen um Tshikapa ausgeweitet.

 




Eine Nähmanufaktur schenkt Zukunft

Juli 2015: Die Nähmanufaktur hat ihren Betrieb aufgenommen und das Infrastrukturprojekt "Wasser für Kamuesha" steht kurz vor dem Start. mehr lesen


Gärtringen: Katholische Seelsorgeeinheit stellt Hilfsprojekt für Kamuesha im Kongo vor

Im Gespräch (von links) Pfarrer Dr. Sebastian Mukoma, Joachim Kühnel vom Steuerungsteam und UN-Consultant

Jacques Lukumwena Kabengele                                                                                                         GB-Foto: Holom


Bericht aus dem Gäuboten vom 23.5.2014

Was braucht es, um sich als Mensch ernst genommen zu fühlen? Manchmal die Hilfe aus 6 000 Kilometer Entfernung. Die Seelsorgeeinheit Aidlingen-Ehningen-Gärtringen (AEG) hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kamuesha, ein Dorf im Kongo und Heimat des Gärtringer Pfarrers Sebastian Mukoma, zu unterstützen. Mit "Hilfe zur Selbsthilfe" wird dort innerhalb eines Gemeindezentrums eine Nähmanufaktur errichtet.mehr lesen


Bericht aus der Kreiszeitung Böblinger Bote vom 24.52014 mehr lesen


Bericht von der Sammelaktion der Aidlinger Jugend für Kamuesha   mehr lesen


Bericht von der Scheckübergabe des Aidlinger Vereins "fair-eine Welt"  mehr lesen